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Das Blog zum Sonntag – Schuld und Schulden

Schuld und Schulden sind im Deutschen sprachlich so nah wie in keiner anderen Sprache.

Niemand will Schuld, niemand will Schulden.

Die erste, besonders bittere Ironie, es gibt keine zweite Nation mit der historischen Schuld Deutschlands.

Die zweite bittere Ironie, nur wenige Nationen haben so schlechte historische Erfahrungen mit Schulden.

Unsere Ablehnung, neue Schuld und neue Schulden auf uns zu laden ist tief verankert und hochemotional.

Schuld zu vermeiden ist gut.

Aber Schulden sind ambivalent. Schulden für den bloßen Konsum sind gefährlich. Es ist besser, sie zu vermeiden.

Schulden für Investitionen dagegen sind wichtig.

Die Crux unserer Schuldenbremse und der „Schwarzen Null“ im Bundeshaushalt der Finanzminister Schäuble und Scholz ist, dass die scheinbare Disziplin viel zu stark Investitionen trifft.

Auf der anderen Seite ist der Konsum, in Gestalt von ineffektiven Ausgaben, etwa im Sozialhalt und in vielen anderen Positionen, immer noch viel zu hoch.

Die Folge: Deutschland spart sich tot:

  • Bundeswehr: ein Trauerspiel, bedingt einsatzfähig. Resultat: Die äußere Sicherheit ist gefährdet
  • Staatsanwaltschaft, Polizei: zu wenig Personal, unzureichende technische Ausstattung. Resultat: Die innere Sicherheit ist gefährdet.
  • Die Infrastruktur bröselt. Resultat: Marode Brücken, lange Staus, Zugverspätungen. Selbst Mitglieder der Bundesregierung leiden unter ausfallenden Flügen der Flugbereitschaft.
  • Digitalisierung und Künstliche Intelligenz: Deutschland hinkt weit hinterher.
  • Energiespeichertechnologie: weitgehend Fehlanzeige.

Verwenden wir deshalb den Begriff Schulden nur noch für Ausgaben, die in der Zukunft keinen Nutzen, keinen Gewinn bringen. Auf die wir in den meisten Fällen gut verzichten können, und sollten.

Ausgaben für Dinge oder Aktivitäten, die früher oder später einen Ertrag bringen, also Investitionen, könnten weiterhin schlicht Kredit heißen. Abstammend vom lateinischen ´Credere` glauben wir, dass sich unser Aufwand amortisieren wird. Der Erfolg ist selten sicher, aber wer mit hoher Kompetenz nach bestem Wissen und Gewissen investiert, wird in Summe erfolgreich sein.

 

PS: Interessanterweise lag das Zusammenspiel von Schuld und Schulden unmittelbar, aber unbewusst vor mir. Darauf gestossen ich aber erst durch Mario Monti, im Interview mit Gabor Steingart. Monti ist einer der fünf italienischen Senatoren auf Lebenszeit, ehemaliges EU-Kommissionsmitglied und ehemaliger italienischer Premierminister. Ein guter Beweis en passant dafür, wie wertvoll es, von unserern EU-Partnern lernen zu können.