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Das Blog zum Sonntag – Das Ego ist ein schlechter Ratgeber

Das Ego ist ein schlechter Ratgeber. Das gilt ganz besonders für Menschen, die durch ihre hohe Intelligenz außergewöhnlich erfolgreich sind. Denn mit ihrem Erfolg wächst häufig auch ihr Ego. Die Ratio, die sie so stark gemacht hat, wird dann irgendwann von ihrem Ego überstrahlt und das Unheil nimmt seinen Lauf. Ikarus-gleich kommen sie der Sonne zu nah und stürzen ab. Manchem reicht eine große Karriere nicht, sondern will ein Denkmal bauen. Heraus kommt meist eine Sandburg. Beispiele gefällig?

Klaus Esser von Mannesmann D2 wollte in Großbritannien Vodafone übernehmen, erhielt von dort aber die Warnung, der Schuss würde nach hinten losgehen. Er versuchte es trotzdem, Vodafone schlug zurück und übernahm seinerseits Mannesmann D2. Esser war danach in jahrelange juristische Prozesse verstrickt.

Jürgen Schrempp war lange Zeit erfolgreicher CEO von Daimler, bis er mit Chrysler unbedigt eine „Hochzeit im Himmel“ feiern musste. Die Liaison scheiterte krachend, Schrempp musste gehen, Daimler verlor dutzende Milliarden Euro Börsenwerte. Die Qualitätsprobleme, die sich Mercedes in der Zeit des unseligen Zusammenschlusses einhandelte, beschädigten die Marke so sehr, dass sie in den Folgejahren hinter BMW und Audi zurückfiel.

Wendelin Wiedeking, der mit der Sanierung von Porsche bereits sein Meisterstück abgeliefert hatte, versuchte mit einem Hasardeurstück, den erheblich größeren VW-Konzern zu übernehmen. Der Bissen war zu groß. Nicht Porsche übernahm VW, sondern VW Porsche. Auch für Wiedeking hatte die Chose ein juristisches Nachspiel.

Die bisherigen Fälle sind alle abgeschlossen und Nachkarten ist leicht. Aber wir haben derzeit die Chance, eine neue Malaise zu beobachten.

Werner Baumann, CEO der in den letzten Jahren so erfolgreichen Bayer AG, musste letztes Jahr unbedingt den hochumstrittenen Kauf von Monsanto durchziehen. Marijn Dekkers, sein Vorgänger im Amte, hatte die Übernahme noch als zu riskant abgelehnt. Ohne bekannte neue Erkenntnisse kam Baumann zu einem anderen Ergebnis. Obwohl er wusste, dass gegen Monsanto in den USA vor allem, aber nicht nur, wegen des Insektengifts Glyphosat tausende von Schadensersatzklagen anhängig waren, zog er den Deal durch. Das sogar obgleich er aus rechtlichen Gründen vor Besiegelung des Kaufs keine Einsicht in die Prozessakten Monsantos nehmen durfte. Er wusste damit nicht nur, dass er die Katze im Sack kaufte. Sondern er musste auch wissen, dass das US-amerikanische Rechtssystem deutlich anders funktioniert als das Deutsche, was dramatisch höhere Risiken mit sich bringt. Nun, da der Schlamassel angerichtet ist und Monsanto, d.h. nunmehr Bayer, die ersten Gerichtsverfahren in den USA verloren hat, ist sogar die Gefahr der Zerschlagung des Konzerns in durchaus greifbare Nähe gerückt. An der Börse hat die Bayer AG jedenfalls inzwischen fast die Hälfte ihres Werts verloren. Die aktuell rund 55 Mrd. entsprechen, wenn überhaupt, nur noch wenig mehr als dem Buchwert des stolzen Konzerns. Das ist weniger, als die rund 65 Mrd. Euro, die Bayer für Monsanto bezahlt hat. „That`s a hell of a deal“, wie es die US-Amerikaner sagen würden. Und ob Bayer als deutsches Unternehmen vor amerikanischen Gerichten zukünftig bessere Karten haben wird, als Monsanto es hatte, kann bezweifelt werden.

Meine These: die größten Fallen stellen wir uns selbst. Unser Ego sollte nicht größer werden als unser Verstand. Zur Warnung ließen sich römische Kaiser einst „memento mori“ ins Ohr flüstern. Bedenke, dass auch Du sterblich bist, damit Dir Dein Erfolg und Deine Macht nicht zu Kopfe steigen. Wer übernimmt diese so undankbare wie wichtige Aufgabe für unsere Wirtschaftskapitäne? Wer für unsere Politiker? Und wer für uns?