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En marche

Gestern Abend sollte es einen Ausschlag bei der Erdbebenwarte gegeben haben, als Vielen ein Stein vom Herzen gefallen ist, als Emmanuel Macron vor Marine Le Pen* die Pole Position für die französische Präsidentenwahl gewonnen hatte.

Lieber ein blankes Fragezeichen als ein schwarz(braunes) Ausrufezeichen!

Der eigentliche Punkt aber: Nach Trump hat erneut das Anti-Establishment über die Alteingesessenen gesiegt. Gaullisten wie Sozialisten wurden hinweggefegt. In Deutschland wären dies CDU und SPD!

Zudem: während der US-amerikanische Präsident zwar der unmögliche Kandidat war, vertritt er noch die Republikaner, Amerikas „Grand old Party“! In Frankreich hat der Wahlsieger ohne Parteiorganisation gewonnen, die noch längst nicht geschlagene Zweite dominiert eine vollständig auf sie zugeschnittene Partei, die irgendwo zwischen AfD und DVU oszilliert.

Völker, hört also die Signale: der Unmut der Massen hat ein kritisches Maß überschritten. Sie wählen alles, nur nicht die herrschende Kaste. Sie haben begriffen, dass viele Politiker keine Volks- sondern Parteivertreter sind, stets nur allzu bereit, ihr Eigeninteresse über das Gemeinwohl zu stellen.

Frankreich hat Glück, dass Macron mit „En marche“ zwar unerfahren, aber gefestigt liberal und demokratisch ist. Auch in den Niederlanden ist es mit dem Sieg von Rutte über Wilders gerade noch einmal gut gegangen. Aber wie lange wollen wir uns auf unser Glück verlassen? Irgendwann werden die Falschen gewinnen, und was dann? In der Türkei können wir aus – relativer – Ferne betrachten, wie leicht die Demokratie in eine Diktatur pervertiert werden kann (was im Übrigen, gern ignoriert, in Weissrussland und Russland längst geschehen ist).

Unterdes schläft der deutsche Michel noch. Hier ist ja alles gut, noch, und noch ist ja immer alles gut gegangen (von Weltkrieg I und II mal abgesehen). Doch wie lange, noch?

Können wir uns da wirklich die Politik der ruhigen Hand Angela Merkels erlauben? Eine Kanzlerin, die sich ohne jede Idee und Vision in die nächste Amtszeit schleppt? Die vor einer Bundestagswahl steht, die sie nicht aufgrund ihrer Stärke, sondern aufgrund der peinlichen Schwäche ihrer Herausforderer kaum verlieren kann?

Alternativlosigkeit, die bloße Wahl zwischen Pest und Cholera, ist der Tod der Demokratie.

Mögen auch deutsche Macrons unter uns sein: en marche!